Homeless Produktion
Homeless Produktion

Mit dem Paddel durch Asien

 

Die wohl meist gestellte Frage während meiner Reise lautete:
Was trägst du denn da mit dir rum?

Das hatte ich nun davon, mit etwa 50 Kilogramm Gepäck durch
Südostasien zu reisen. Ich hatte einen mannshohen Bootssack dabei, in dem sich neben meinem Klepper Faltboot noch Paddel, Schlafsack, Kochtopf, Zelt,
Wasserfilter, Schwimmweste, zwo, drei Kleidungsstücke und ein Stativ befanden.
Meine Foto- und Filmausrüstung befand sich in einem kleinen Koffer, den ich
zusätzlich zu tragen, oder besser: zu ERtragen hatte.

Ich wollte durch Laos reisen, weil sein exotischer Reiz, seine Tausende Tempel, seine Ursprünglichkeit und sein gutes Essen mich lockten. Zwei Mal war ich bereits in diesem, erst vor kurzem vom Tourismus entdeckten, kommunistischen Land. Seine Lage, umgeben von Thailand, Vietnam, Kambodscha, Birma und China, machte es in den vergangenen Kriegen zum Bombenabfalleimer der kriegführenden Amerikaner und zur Frontabkürzung für die Vietnamesen. Bis heute sind die Überreste dieses Krieges ein großes Problem in Laos. Noch immer verlieren Menschen ihre Arme und Beine, und oft auch ihr Leben. Häufig versuchen die Leute das alte Metall der Bomben zu verkaufen, oder bohren die Blindgänger auf, um an den Sprengstoff zu gelangen, weil sie daraus Munition zur Jagd bauen müssen.  

 

Mein Plan war eigentlich einfach: Fahr nach Luang Prabang, setz dich auf den Mekong und lass dich nach Vientiane treiben. Der Mekong ist einer der längsten Flüsse der Erde und er schreit nach einer Befahrung durch mich! Ein vermutlich verrückter, in Laos lebender Australier hat die gesamten etwa 5.000
Kilometer des Mekong befahren und darüber ein Buch geschrieben; was wiederum mich auf meine Idee gebracht hat. Doch gegen die 5.000 Kilometer des Australiers ist mein Vorhaben eine Kaffeefahrt!

Die Anreise war einfach und so problemlos, dass es fast
schon langweilig war. Ich landete in Bangkok, fuhr gleich mit dem von
Deutschland aus gebuchten Nachtzug nach Vientiane. Da der Nachtzug häufig
ausgebucht ist, sollte man ihn so früh wie möglich buchen. Der Zug ist aber
meiner Meinung nach das Reisevehikel Nummer eins in Thailand, auch ohne
Schlafplatz, auch in der Holzklasse. Man kann sich mal bewegen und nette Leute
treffen; besonders in den Speisewagen, in denen nicht selten biergetränkte
Zugfeiern gefeiert werden. Nach einem Tag ging es weiter nach Vang Vieng. Ich
hatte davon gehört, dass es eines der schönsten Gebiete in Laos sei und man da
alles Mögliche machen könne. Doch ich muss sagen, wenn auch alles so zutrifft, hat mir jedoch jeder verschwiegen, dass hier auf einen Laoten etwa 10 Ausländer kommen. Davon lässt etwa die Hälfte in ihrer Vergnügungssucht eher an einen Aufenthalt in der Schinkenstrasse auf Mallorca erinnern! Ich übernachtete in einem Hotel, das wohl für sein nächtliches „Sportangebot“ bekannt sein musste! Wem's Spaß macht! Ich brauche solche ausufernden Feiern nicht, und was die Laoten davon halten, dürfte auch nicht wirklich schwer zu erraten sein. Zwar sind die Laoten dem Feiern und Trinken nicht abgeneigt - eher im Gegenteil, in Laos gibt es scheinbar immer einen Grund zu feiern - doch die laotischen Frauen gehen zum Beispiel nur im Sarong baden. Man wird sie selten bis nie bauch- oder oberschenkelfrei in (männlicher) Gesellschaft sehen, wie die westlichen, nicht nur beim Schwimmen nur mit Bikini bekleideten Frauen! Zwischen Mann und Frau wird so unauffällig geflirtet, dass man sich fragen könnte, wo denn all die Kinder eigentlich herkommen!

Vang Vien hat viel zu bieten, in der näheren Umgebung gibt
es so viele Höhlen in den steilen Kalkfelsen, dass man zwei Wochen lang an
jedem Tag eine andere begehen und erklettern könnte. Außerdem gibt es etliche
spannende Flusskilometer, die man entweder mit einer geführten Kajak- oder Rafting-Tour befahren kann, oder, in ruhigeren Abschnitten, auch mit Hilfe eines LKW-Schlauchs, neudeutsch: Tuben. Mir jedoch viel der Abschied trotzdem nicht schwer! Ich wollte Laos kennen lernen und nicht nur andere Reisende.

 

Angekommen in Luang Prabang kaufte ich Proviant und alles, was
mir noch fehlte. Einen weiteren Tag gab ich mir, um mich noch etwas an das
Klima gewöhnen zu können. Luang Prabang ist aufgrund seiner vielen, an fast
jeder Straßenecke stehenden, buddhistischen Tempel und seines historischen
Stadtbildes von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt worden. Meine
Akklimatisierung gab mir nun also Zeit, um einige dieser Tempel zu begutachten.
Außerdem „bestieg“ ich den Tempelberg, der mitten in der Stadt steht, um mir
mit geschätzten zweihundert anderen Touristen den Sonnenuntergang anzusehen. Am nächsten Tag baute ich mit Hilfe engagierter Zuschauer mein Faltboot am Ufer des Mekong auf und begann die große Fahrt. Etwa 400 Kilometer bis nach Vientiane...

 

...Als ich anfing, mein Zelt an einem scheinbar hübschen
Plätzchen aufzubauen, entflammte wieder eine Diskussion. Ich durfte nicht auf
der Erde schlafen, macht man wohl in Laos nicht! Also trugen wir zu fünft mein
kleines Zelt in eine kaum größere Hütte, die zwei Bauern gehörte, die nicht
lange gefragt wurden.

Ich war deutlich weiter gekommen, als ich gedacht hatte und
rechnete mir aus, dass ich am nächsten Abend in Thakhek sein könnte. Da ich aber
keine große Lust hatte, abends in einer größeren Grenzstadt anzukommen, ohne zu
wissen, wo ich schlafen konnte, und was ich mit meinem Boot machen sollte und ich
sowieso gerade nicht wusste, was ich nun mit dem angebrochenen Abend machen
sollte, fing ich an, mein Boot abzubauen und zu verpacken. Also nicht nur ich,
mir halfen bestimmt noch sechs andere aus dem Dorf. Kaum hatte ich mein Boot
verstaut und sich die Gemüter der anderen beruhigt, kam einer der Polizisten
zurück. Ich verstand nach einer Weile, dass ich also hier auf gar keinen Fall
schlafen könnte und dass ich mitkommen sollte. Also, alles auf den
„Polizeiroller“ und weg. Die Fahrt auf dem Roller bestärkte meine Entscheidung
gegen die Fahrt mit einem Leihmotorrad von Vientiane nach Luang Prabang, wie
ich es eigentlich vorhatte. Der Bootssack war einfach zu unhandlich und zu
schwer. Die Strecke nach Luang Prabang führt durch die Berge und schreit nach
einer Motorradfahrt! Man kann sich ein Motorrad in Vientiane leihen und gegen
Aufpreis in Luang Prabang abgeben. Führerschein braucht man keinen, doch muss
man wissen, dass man als Ausländer bei einem Unfall erstmal immer Schuld hat
und sich wahrscheinlich teuer frei kaufen muss.

Die Nacht verbrachte ich im Gefängnis. Na ja, nicht ganz, vielmehr
verbrachte ich die Nacht luxuriös in der Polizeihütte, mit acht Polizisten. Wir
aßen meinen Puffreis und die restlichen Nüsse und schauten dabei die
Eröffnungsfeier der Südostasienspiele, die grade in Vientiane stattfanden, in
einem kleinen Fernseher. Mein Diebstahlerlebnis konnte, oder wollte keiner
verstehen. Am nächsten Morgen durfte ich mir die Kampfhähne vom Nachbarn
anschauen, sogar den Champ, der über 150 Dollar wert sein sollte. Der Hahnenkampf ist die Wettanlage Nummer eins in Südostasien. Doof für die Hähne, denen man kleine Messer an die Beine bindet, damit auch ein klarer Sieger ermittelt werden kann, nämlich der Überlebende. Erstaunlich große Viehcher!

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