Homeless Produktion
Homeless Produktion

This is Rio

Ein Bericht über Rio
de Jaeiro. Seine Eigenarten, seine Strände, seine Favelas, seinen Schnaps,
seine Surfer und seine Pasteten.

 

T.I.R! Na gut, eigentlich heißt es ja T.I.A, für This Is
Africa! Aber, man könnte auch sagen, This Is Rio, und wirklich, jeder, der
schon einmal in Rio de Janeiro, der Stadt der Strände, des Samba und der
Pasteten war und seine merkwürdigen Besonderheiten kennen gelernt hat, wird es
wahrscheinlich auch so sagen wollen!

Rio ist eine Weltstadt, vielleicht in etwa so, wie Offenbach,
nur mit Dschungel und mit Strand. Die Bevölkerung ist bunt gemischt und kommt
aus allen Ecken der Welt. Also, Offenbach ist jetzt nicht so groß wie Rio, ist
vielleicht auch nicht so schön und den Samba gibt es auch höchstens nur in der
Volkshochschule, aber bunt gemischt sind wir auch. Rio ist heute eine, gegen
ihren Ruf und mit Ausnahme einiger offensichtlicher Ecken, ziemlich sichere
Großstadt! Früher allerdings nicht, da hatte Rio die Nase in der Liste der
Städte mit den meisten Verbrechensaktivitäten der Welt wohl ganz weit vorn! Doch
diese Zeiten sind vorbei! Brasilien, wozu Rio ja gehört geht es besser und
besser. Ein nicht unwesendlicher Teil des erwirtschafteten Geldes des ganzen
Landes fließt nach Rio, dem Aushängeschild Brasiliens. Auch das erwirtschaftete
Geld des armen, Öl und Holz reichen brasilianischen Nordens, wo immer noch
Zustände herrschen, wie es sie früher in Rio auch gab. All dass viele liebe
Geld des Landes machen Rio zu einer schönen, sicheren Stadt, in der es fast
allen Bewohnern gut geht, außer denen, die sich vom Strom des Geldes aus dem
Norden haben mitreißen lassen, die müssen in Papphütten leben und Bonbons auf
der Autobahn verkaufen, oder die Stromleitungen aus den Tunnels der Stadt
reißen, um das Kupfer zu Geld zu machen. Wer genügend Kupfer, oder Bonbons
verkauft hat und es auf diese Weise zu etwas Wohlstand gebracht hat, der kann
sich sogar ein kleines Minihäuschen in einer der vielen Favelas der Stadt bauen
und Rio so zu seinem besonderen Stadtbild verhelfen. Die Häuser der Favelas
stehen dort, wo eigentlich kein Haus stehen kann, auf Land, welches für
Grundstückspekulanten auf Grund seiner steilen Lage uninteressant ist. Die
Favelas schmiegen sich also mit ihren kleinen, unverputzten, aneinander und
aufeinander gepressten Häuschen an die Hügel der Stadt. Es gibt dort keine
Architekten, keine Bauingenieure und auch keine Bauzeichner. Alles wird frei
nach Bau-ch gebaut und steht die meiste Zeit des Jahres ganz gut da! Außer in
der Regenzeit, da kann es schon mal passieren, das es hier und dort mal zu
einem Erdrutsch kommt der alles unter sich begräbt. Da die steilen Hügel dank
der Bebauung nicht mehr bis in die Tiefe befestigt sind werden sie vom
Regenwasser unterhöhlt, bis sie irgendwann abrutschen. Stehen auf den Hängen
Bäume, so sichern ihre Wurzeln das Erdreich davor und Erdrutsche entstehen viel
seltener. Das ist aber jetzt kein Rio spezielles Problem, dieses Problem
existiert weltweit und wird immer wieder gerne ignoriert und begräbt immer
wieder Menschen mit deren Häusern! T.I.M.! This Is Mankind, könnte man bei
dieser Gelegenheit dazu sagen.

Seit sich die einzelnen Favelas organisieren, also nicht nur
kriminell, sind sie eigene, kleine Stadtteile, mit fließendem Wasser,
Kanalisation, Schulen und kleinen Geschäften. Längst gibt es nicht mehr die
blutigen Drogenkriege der 70er und 80er Jahre, doch sollte man als Tourist
diese hübsch chaotischen Stadtteile meiden. Ein Überfall mit einer tödlichen
Waffe ist eine Urlaubserfahrung, die sich später dann zwar hoffentlich schön
erzählen lässt aber relativ teuer sein kann, oder einen auch gesundheitlich
stark einschränken könnte. Es gibt mittlerweile sonderbare, geführte
„Safarietouren“, die Touristen durch die Favelas führen mit Besuch beim
Handwerksmarkt und der Möglichkeit eines Schießereierlebnisses. So versprechen
es die Drücker, die an den Touristen Hot Spots um Kundschaft werben...  

...Vom Festland fährt nur einmal täglich eine Fähre
zur Insel und mehrmals ein ungleich teureres Schnellboot. Es startet in der
Fischerstadt Angra dos Reis oder in Mangaratiba und ist schwer zu finden.
Einfach am Hafen durchfragen. Überhaupt kam es mir so vor, dass je wichtiger
etwas in Brasilien ist, desto kleiner sind die Wegweiser und etwas wirklich
Wichtiges ist so wichtig, dass es auch keine Schilder benötigt! Eine Eigenart,
die das Reisen sehr kommunikativ gestaltet! Die einzelnen Strände der Insel
sind durch Wanderwege miteinander verbunden. Sie führen über 150 bis 200 Meter
hohe Hügel mitten durch den Dschungel und enden immer am Meer, das Abkühlung
verspricht. Für den längsten Weg kann man einen ganzen Tag einplanen, einfache
Strecke. So sollte eine Übernachtung am Zielstrand eingeplant werden, oder man
hat Glück und erwischt eines der zahlreichen Taxiboote, die einen schnell, aber
kostspielig von Strand zu Strand transportieren. Die Wege über die Insel sind
nicht befestigt und verlangen einem schon auch etwas ab. Besonders bei Regen
verwandeln sie sich in kleine klitschige Bäche, die einen in ihren tosenden
Fluten mitreißen wollen. Über den Zustand der Wege und die Dauer der einzelnen
Ausflüge kann man sich im Touristenbüro am Hafen von Abraao erkundigen. Gutes
Schuhwerk ist schon hilfreich. Mir sind auch Leute barfüßig begegnet. Wer es
tragen kann! Wer läuft nicht gerne durch den Schlangen, Spinnen, Skorpion,
Giftpflanzen, Glasscherbiegen und Bambus verseuchten Dschungel? Nicht zu
vergessen die Feuerameisen! Also ich nenn die jetzt mal Feuerameisen, denn die
haben mich verbrannt wie Feuer und ich kenn deren richtigen Namen nicht! Während
ich noch überlegte, was denn da zwischen zwei großen Baumwurzeln so wuselt. Als
ich den ersten Biss, oder Stich, oder wie auch immer so Ameisen, harmlose, Insekten
Architektur begeisterte, Regenwaldspaziergänger bekämpfen, bemerkte, musste ich
feststellen, dass mir diese wehrhaften Biester schon bis unter die Bermudas
gekrabbelt waren. Deren Ziel war wohl die empfindlichste Gegend eines
Säugetiers. So weit durften die nicht kommen! Ich begann aus meiner
Hitzeträgheit zu erwachen und startete meinen Gegenangriff. Ich hatte gehört,
man solle sich so groß, wie möglich machen, damit die denken man sei ein zu
großer Gegner, mit dem man sich mal lieber nicht anlegen sollte, ach nee, das
war bei Großkatzen, wie dem Jaguar, oder dem Puma, die es beide in Brasilien
gibt. Nein, man soll ruhig und langsam rückwärts laufen, ohne sie dabei aus den
Augen zu lassen und im Falle eines Angriffs soll man ihnen seinen Rucksack
entgegen werfen, in der Hoffnung, dass es sie ablegt, was einem die Zeit zur
Flucht verschafft! Ach nein, das waren die Bären! Gibt es so weit im Süden
überhaupt Brillenbären? Inzwischen waren meine Unterschenkel schon so
bearbeitet, dass sie sich wirklich anfühlten, als stände ich in einem
Lagerfeuer. Also, was war dann das mit dem immer fest auftreten, um sich
merkbar anzumelden und den Schlangen dabei die Chance zur Flucht zu geben. Ja,
das waren die Schlangen! Das Denken begann immer mehr zu schmerzen und ich
hörte damit auf und rannte lieber los. Während dem Rennen fluchte und heulte
ich laut herum, stampfte dabei auf, als wollte ich das Feuer an  meinen Beinen austreten und schlug auf meinen
Unterschenkeln herum, wie beim Schuhplattler. Mein Glück war, dass niemand weit
und breit zu sehen war, der mich hätte für verrückt erklären können. Nach einem
etwa fünfminütigem Tänzchen durch den Regenwald kriegte ich mich wieder ein.
Die Ameisen waren abgeklopft und an deren Stelle hatte ich jetzt an den Beinen dicke,
rote Placken. Was musste ich jetzt tun? Sollte ich jetzt die Bissstellen
markieren, um die vorschreitende Schwellung zu dokumentieren?...

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